Wie robust ist unser Haushalt? Ein Family-Office-Stresstest 🧐

Über Vermögen zu sprechen ist vergleichsweise einfach, solange die MĂ€rkte steigen, beide Einkommen regelmĂ€ĂŸig kommen und grĂ¶ĂŸere Ausgaben planbar bleiben. Spannender ist die gegenteilige Frage:

Was passiert eigentlich mit unserem Haushalt, wenn mehrere Dinge gleichzeitig schiefgehen?
Genau das wollte ich fĂŒr Sabrina und mich einmal systematisch durchrechnen. ✍

Dabei geht es ausdrĂŒcklich nicht um eine Prognose. Es ist ein Stresstest unserer privaten Bilanz – Ă€hnlich wie man ihn auch bei einem Unternehmen oder einem professionell verwalteten Vermögen durchfĂŒhren wĂŒrde. Um unsere tatsĂ€chlichen Vermögens- und EinkommensverhĂ€ltnisse nicht vollstĂ€ndig öffentlich zu machen, setze ich unser heutiges Nettovermögen mit 100 % an. Auch Einkommen und LiquiditĂ€t werden ausschließlich relativ dargestellt.

Unsere Ausgangslage

Die grĂ¶ĂŸte Position ist wenig ĂŒberraschend unsere selbstgenutzte Immobilie. 🏠 Ihr aktueller Wert entspricht rund 145,6 % unseres Nettovermögens. Dem steht ein Immobilienkredit von rund −103,2 % unseres Nettovermögens gegenĂŒber. Unser Eigenkapital in der Immobilie betrĂ€gt damit derzeit rund 42,4 % unseres gesamten Nettovermögens.

Außerhalb der Immobilie verfĂŒgen wir zusĂ€tzlich ĂŒber folgende Vermögensblöcke:

PositionAnteil am Nettovermögen
LiquiditÀtsreserve8,2 %
direkter Bitcoin15,4 %
Bitcoin-nahe Unternehmensposition1,6 %
freie Wertpapiere und Fonds22,6 %
betriebliche Vorsorge7,2 %
Edelmetalle2,6 %
Nettovermögen gesamt100 %

Unser aktueller Loan-to-Value der Immobilie liegt bei ungefĂ€hr 70,9 %. Genau diese Kombination finde ich persönlich interessant: Wir haben zwar eine grĂ¶ĂŸere Immobilie gekauft, aber nicht unser gesamtes Vermögen in ihr gebunden. 😎

Ein erheblicher Teil unseres Nettovermögens bleibt liquide beziehungsweise investiert. đŸ’ȘđŸ»

Auch den Cashflow normieren wir

Unser normales monatliches Haushaltsnettoeinkommen entspricht im Modell 100 %.
Davon stammen ungefÀhr: 62,5 % von Philipp und 37,5 % von Sabrina.

FĂŒr einen Krisenfall unterstelle ich, dass wir sĂ€mtliche freiwilligen SparplĂ€ne, Sondertilgungen und sonstige Vermögensbildung sofort stoppen. Unser notwendiges Krisenbudget setze ich mit rund 56,25 % unseres normalen monatlichen Nettoeinkommens an. Arbeitslosengeld, Karenzleistungen, Versicherungsleistungen, Sonderzahlungen und andere Transfers lasse ich zunĂ€chst vollstĂ€ndig außen vor. Der Test ist damit bewusst konservativ.

Szenario 1: Philipp fĂ€llt als Haupteinkommen aus 😬

Das erste Szenario ist aus meiner Sicht eines der relevantesten. Mein Einkommen fĂ€llt fĂŒr 18 Monate vollstĂ€ndig aus.

Damit verbleiben nur noch rund 37,5 % unseres normalen Haushaltsnettoeinkommens, wÀhrend unser Krisenbudget ungefÀhr 56,25 % betrÀgt. Das ergibt ein monatliches Defizit von 18,75 % unseres normalen Monatseinkommens.

Unsere heutige LiquiditĂ€tsreserve entspricht ungefĂ€hr 376 % eines normalen monatlichen Haushaltsnettoeinkommens. Damit könnten wir dieses Defizit ungefĂ€hr 20 Monate lang ausschließlich aus der bestehenden LiquiditĂ€t finanzieren. Nach 18 Monaten wĂ€ren noch rund 10 % der ursprĂŒnglichen LiquiditĂ€tsreserve vorhanden. Unser Nettovermögen lĂ€ge gleichzeitig weiterhin bei ungefĂ€hr 92,7 % des heutigen Ausgangswerts.

Das heißt: Selbst wenn ich eineinhalb Jahre lang ĂŒberhaupt kein Einkommen hĂ€tte, mĂŒssten wir theoretisch weder Bitcoin noch Aktien noch Gold verkaufen. In der RealitĂ€t wĂ€re das Szenario sogar weniger streng, weil typischerweise noch Sozial- oder Versicherungsleistungen hinzukĂ€men.

Szenario 2: Sabrina fĂ€llt durch Familie oder Karenz lĂ€nger aus đŸ€±

Das zweite Szenario betrifft die Familienplanung. Hier nehme ich an, dass Sabrinas Einkommen fĂŒr 24 Monate vollstĂ€ndig wegfĂ€llt. Gleichzeitig steigen unsere laufenden Ausgaben um zusĂ€tzlich rund 9,4 % unseres normalen monatlichen Haushaltsnettoeinkommens.

Damit steigt das Krisenbudget insgesamt auf etwa 65,6 % unseres normalen Einkommens. Mein verbleibendes Einkommen entspricht ungefÀhr 62,5 %. Das monatliche Defizit betrÀgt damit nur noch rund 3,1 % unseres normalen Haushaltsnettoeinkommens.

Nach zwei Jahren wĂ€ren noch ungefĂ€hr 80 % unserer ursprĂŒnglichen LiquiditĂ€tsreserve vorhanden. Unser gesamtes Nettovermögen lĂ€ge weiterhin bei rund 98,4 % des heutigen Ausgangswerts. Dabei sind Karenzgeld, Familienbeihilfe und Ă€hnliche Leistungen noch nicht einmal berĂŒcksichtigt.

Dieses Ergebnis fand ich interessant, weil sich Familienplanung bei hohen laufenden Wohnkosten subjektiv schnell riskanter anfĂŒhlen kann, als sie bilanziell tatsĂ€chlich ist. 🙃

Szenario 3: Unsere Immobilie verliert 25 % 📉

Jetzt lassen wir ausschließlich den Immobilienmarkt crashen. Unsere Wohnung verliert 25 % ihres Werts. Der Loan-to-Value steigt dadurch von derzeit 70,9 % auf ungefĂ€hr 95%. In der Immobilie wĂ€re dann nur noch relativ wenig Eigenkapital vorhanden.

Unser gesamtes Nettovermögen wĂŒrde trotzdem noch bei rund 63,6 % des heutigen Werts liegen und unsere LiquiditĂ€tsreserve wĂ€re vollstĂ€ndig unangetastet.

Interessant ist auch der rechnerische Break-even. Erst bei ungefĂ€hr 29 % Wertverlust der Immobilie wĂ€re unser Immobilien-Eigenkapital vollstĂ€ndig verschwunden. Bei einem RĂŒckgang von 30 % wĂŒrde der Loan-to-Value ungefĂ€hr 101,3 % erreichen. Die Immobilie wĂ€re dann rechnerisch leicht „unter Wasser“. Solange wir nicht verkaufen mĂŒssen, wĂ€re das aber zunĂ€chst vor allem ein Bewertungsproblem – kein LiquiditĂ€tsproblem.

Szenario 4: Bitcoin verliert 80 % đŸ˜±

Dieses Szenario ist fĂŒr mich persönlich besonders interessant, weil meine Bitcoin-Allokation eine sehr bewusste strategische Entscheidung ist. Deshalb wollte ich wissen, wie der Haushalt aussieht, wenn genau diese These einmal maximal gegen mich lĂ€uft.

Ich unterstelle:
Bitcoin −80 %
Bitcoin-nahe Unternehmensposition −90 %

Unser gesamtes Haushaltsnettovermögen wĂŒrde dadurch von 100 % auf rund 86,2 % fallen. Der Gesamtverlust lĂ€ge somit bei ungefĂ€hr 13,8 % unseres heutigen Nettovermögens. Das fand ich ehrlich gesagt ziemlich aufschlussreich. Ein historisch außergewöhnlich schwerer Bitcoin-BĂ€renmarkt wĂŒrde natĂŒrlich weh tun. Er wĂŒrde aber weder unsere Immobilie noch unsere LiquiditĂ€t noch unsere ZahlungsfĂ€higkeit gefĂ€hrden.

Und genau deshalb sehe ich die Diskussion ĂŒber eine „zu hohe Bitcoin-Quote“ inzwischen entspannt. Die entscheidende Frage lautet fĂŒr mich nicht: Wie viel Prozent Bitcoin sollte ein klassisches Portfolio enthalten? Sondern vielmehr: Kann unser gesamter Haushalt das bewusst eingegangene Risiko tragen? Unser Stresstest beantwortet diese Frage aktuell klar mit Ja.

Szenario 5: Der Perfect Storm đŸŒȘ

Zum Schluss wollte ich wissen, was passiert, wenn wirklich fast alles gleichzeitig schiefgeht. Ich unterstelle daher gleichzeitig:

  • Immobilie: −30 %
  • Aktien: −50 %
  • Bitcoin: −80 %
  • Bitcoin-nahe Unternehmensposition: −90 %
  • betriebliche Vorsorge: −35 %
  • Edelmetalle: −25 %
  • Philipp verliert zusĂ€tzlich fĂŒr 18 Monate sein gesamtes Einkommen

Unmittelbar nach diesem Vermögenscrash wĂŒrde unser Nettovermögen nur noch ungefĂ€hr 28,1 % des heutigen Ausgangswerts betragen. Unsere Immobilie wĂ€re bei einem Loan-to-Value von rund 101,3 % leicht negativ finanziert. Danach finanzieren wir zusĂ€tzlich 18 Monate lang das monatliche Haushaltsdefizit aus unserer LiquiditĂ€tsreserve. Nach diesen 18 Monaten wĂ€ren noch ungefĂ€hr 20,7 % unseres ursprĂŒnglichen Nettovermögens ĂŒbrig. Wir hĂ€tten damit rund 79,3 % unseres heutigen Nettovermögens verloren. Die reine Cashreserve wĂ€re fast aufgebraucht und nur noch bei ungefĂ€hr 10 % ihres ursprĂŒnglichen Bestands. Aber wir wĂ€ren bilanziell weiterhin nicht ĂŒberschuldet. Es gĂ€be weiterhin Aktien, Bitcoin, Edelmetalle und andere Vermögenswerte.

Ab diesem Zeitpunkt mĂŒssten wir selbstverstĂ€ndlich reagieren: Ausgaben reduzieren, Einkommen wieder erhöhen oder liquide Anlagen verkaufen. Aber selbst dieses bewusst extreme Mehrfachdesaster wĂŒrde unseren Haushalt nicht sofort zerstören.

Was ich aus dem Test mitnehme

Mein ursprĂŒnglicher Gedanke war eigentlich, unser Immobilienrisiko und meine relativ hohe Bitcoin-Allokation kritisch zu hinterfragen. Das ĂŒberraschendste Ergebnis war aber ein anderes. Unser grĂ¶ĂŸtes wirtschaftliches Risiko ist aktuell weder Bitcoin noch die Immobilie. Es ist der lĂ€ngerfristige Ausfall unseres höheren Erwerbseinkommens.

Die MĂ€rkte können stark fallen. Bitcoin kann 80 % verlieren. Die Immobilie kann theoretisch 25 oder sogar 30 % an Wert verlieren. Solange unser Cashflow funktioniert und wir nicht verkaufen mĂŒssen, können wir all diese Dinge vergleichsweise gut aussitzen. Ein langfristiger Einkommensausfall dagegen verbraucht reale LiquiditĂ€t.

Genau deshalb sind fĂŒr uns Dinge wie LiquiditĂ€tsreserve, BerufsunfĂ€higkeitsversicherung und Todesfallabsicherung mindestens genauso wichtig wie die Optimierung der letzten Nachkommastelle unserer Asset Allocation. 🙂

Mein persönliches Fazit

Der Test bestĂ€tigt fĂŒr mich vor allem eines: Wir haben mit Anfang 30 inzwischen eine relativ robuste Haushaltsbilanz aufgebaut. Nicht weil jede einzelne Position konservativ wĂ€re. Meine Bitcoin-Allokation ist beispielsweise alles andere als konservativ. Robust wird die Bilanz vielmehr durch das Zusammenspiel aus Immobilie, Wertpapieren, LiquiditĂ€t, Vorsorge, Edelmetallen und laufendem Einkommen. Eine bewusst große Risikoposition muss deshalb nicht automatisch einen riskanten Haushalt bedeuten.

Entscheidend ist, ob der Rest der Bilanz diesen Risikoblock tragen kann. Und genau hier liegt aus meiner Sicht unsere eigentliche StĂ€rke. Wir haben zwar eine grĂ¶ĂŸere selbstgenutzte Immobilie gekauft, uns dadurch aber nicht finanziell vollstĂ€ndig immobil gemacht. Wir haben weiter liquide Reserven, Kapitalmarktvermögen und zusĂ€tzliche Vorsorge. Selbst unter sehr harten Annahmen bleibt unser Nettovermögen positiv. Der nĂ€chste Schritt besteht deshalb fĂŒr mich nicht darin, jede Risikoposition kleiner zu machen.

Viel wichtiger ist, dass unsere Verschuldung ĂŒber die kommenden Jahre kontinuierlich sinkt, wĂ€hrend wir gleichzeitig ausreichend LiquiditĂ€t und produktives Kapital behalten. Je niedriger unser Loan-to-Value wird, desto schwieriger wird es, unseren Haushalt selbst mit einer Kombination aus Immobiliencrash, Kapitalmarktcrash und Einkommensausfall dauerhaft aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und genau das ist vermutlich die Definition finanzieller Robustheit, die mir inzwischen am besten gefĂ€llt.

Diesen Beitrag habe ich schon fĂŒr den Oktober vorbereitet und ich veröffentliche ihn jetzt als LĂŒckenfĂŒller, bis mein Quartalsabschluss finalisiert wurde. So schnell wie möglich folgt also dann die eigentliche FinanzBilanz, auf die einige Leserinnen und Leser schon sehnsĂŒchtig warten. 😉

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