Edelmetalle erleben in Zeiten globaler Konflikte immer wieder Höchststände. So auch aktuell wieder, was ich zum Anlass genommen habe, mich mit einem geschenkten Silber in Form von Schillingmünzen zu beschäftigen.

Zu Weihnachten haben wir von unserem Großvater nicht nur Gold, sondern auch etwas Silber geschenkt bekommen. Darunter waren vor allem Schillingmünzen, von 500 ATS über 100 ATS bis hin zu 50 und 25 ATS Münzen.
Auch dabei waren ein paar Stück der wohl bekanntesten Silbermünze, dem Maria-Theresien Taler.
Wie zu Ethereum und anderen „Shitcoins“ hatte ich grundsätzlich auch zu Silber eine klare Meinung: „There is no second best.“ 😜 Gold im Portfolio ja, aber braucht es Silber?!
Nicht wirklich und nach einem regen Austausch mit Chat-GPT habe ich beschlossen mich bis auf die MTT von allen Münzen zu trennen. Diese haben zwar mit 833/1000 keinen ausgezeichneten Silbergehalt, aber neben Geschichte sind sie einfach auch bekannt.


Nach der doch sehr beeindruckenden Rallye von Gold und vor allem auch Silber in den letzten Monaten glaube ich zwar weder daran, dass es fallen muss, noch dass es in den Himmel steigt, aber wir wollten das Thema einfach abschließen und somit verkaufen. 🤗
Schlecht dürfte der Zeitpunkt wohl eher nicht sein, immerhin ist vor allem das Silber-Gold-Ratio schon massiv auffällig und historisch scheint Silber doch etwas überkauft – wenngleich die Industrie wohl Nachfrage liefert. ☺️

Die Frage war also recht schnell am Tisch: Wie macht man das in der Praxis?
Vor allem das Thema Sammel- bzw. Umlaufmünzen entpuppte sich als doch etwas komplex. So gibt es von den Schillingmünzen z.B. Varianten verschiedener Silberwerte (500 ATS in gut und schlecht, 50 ATS in gut und schlecht) und man muss jede Münze separat betrachten.

Auch gilt hier nicht immer nur Spotpreis abzgl. Handelsabschlag, sondern insbesondere das Schmelzsilber mit z.B. 640/1000 dürfte aufwändiger zum verarbeiten sein und deshalb sind größere Abschläge normal.
So begann mein nächstes Rabbit-Hole und eine doch etwas genauere Recherche zu den Möglichkeiten in den Weihnachtsferien. 😅

Neben dem Spotpreis und einem auf Gramm der Münze, also nicht des Feingehaltes, bezogenen „fairen“ Preis gibt es individuelle Händlerabschläge.
Für Innsbruck habe ich mich im Wesentlichen auf zwei Möglichkeiten fokussiert: ÖGUSSA, einem klassischen Metallscheideunternehmen aus Österreich und Simply Way, einem Ankäufer von Gold/Silber in Innsbruck. Insbesondere für die 500 ATS Münzen gibt es darüberhinaus noch eine dritte Option, welche auch nicht unbedingt unattraktiv ist: Der Tausch zum Nominalwert von 13,76 ATS und damit einem Münzwert von 36,34€ bei der OENB (Österreichischen Nationalbank).
Trotz dem gestiegenen Silberwert ist insbesondere für die 500 ATS mit 640er Anteil der Nominalwert aktuell „günstiger“. Kann sich aber natürlich auch künftig mal ändern.
Der erste Versuch für eine weitere Preisfindung war dann ein E-Mail an einen „Schillingsammler“, welchen ich online gefunden habe.
Diesem habe ich eine vollständige Auflistung gesendet mit der Bitte, mir doch ein Ankaufsangebot zu legen – am Händler vorbei mitunter die beste Variante und wesentlich einfacher als jede Münze via Ebay oder Willhaben an irgendwelche Leute zu verticken.
Leider habe ich bisher noch immer keine Antwort von Herrn Glaser erhalten, möglicherweise ist seine Sammlung mittlerweile vollständig. 😜


Wie in obiger Grafik ersichtlich wird, ist bis auf die 640er Münzen Simply Way eher ein Anbieter mit hohem Abschlag von bis zu 30% auf den Spotpreis. In einer „fairen“ Spanne liegen hier also nur die 640er Münzen. Nebenstehend also auch nochmals deren „Ankaufspreise“ laut Internet (2x täglich aktualisiert) für die einzelnen Münzen, inkl. auch der MTT.
ÖGUSSA hingegen wirkt zwar gleich transparent, doch vom Spotpreis etwas „lukrativer“. Hier wird lt. Webseite Bruchsilber mit mind. 800 Feingehalt zu einem Abschlag von ca. 9% angekauft.
Meine Strategie für den Verkauf daraus war also vorab sehr klar definiert:

- Stopp: OENB -> Dort Umtausch der 640er Münzen des 500 ATS
- Stopp: Münzhändler auf Empfehlung eines BTC-Kollegen direkt neben der OENB – Status checken
- Stopp: ÖGUSSA -> Verkauf der 925, 900, 800 Silbermünzen
- Stopp: Simply Way -> Verkauf der 640 Silbermünzen
Zwar etwas aufwendig, dennoch auch ein gewisser „Lerneffekt“ mit einkalkuliert. Im großen und ganzen sollte damit auch der beste Gegenwert zu erzielen sein. 😉
Erfahrung Nr. 1: Österreichische Nationalbank

Ehrlich gesagt habe ich gar nicht gewusst, dass es auch in Innsbruck eine Filiale der österreichischen Nationalbank gibt und gerade für diese 640er Münzen wäre der Druck nicht groß weil jederzeit eintauschbar, aber vor allem hat dieser Laden die geringsten Öffnungszeiten, am Nachmittag nur bis 15:00h.
Somit war das die erste Station in Innsbruck am Tag x, dem 20.01.2026 – kurz nachdem Trump mit Grönland wieder die Kurse auf ein neues ATH gepusht hat. 🤭
Der Laden allgemein wirkt so wie man sich eine Nationalbankgebäude vorstellt, sowohl von aussen als auch von innen. Ein netter Herr beantwortete die Frage ob ich die Münzen eintauschen kann mit: „Ja, können’s gern, aber beim Schöller oder Philoro bekommen’s mehr, weil der Silberwert gerade so hoch gegangen ist.“ Grundsätzlich ein nett gemeinter Rat, offenbar kannte er den Unterschied zwischen 640er und 925er Münzen aber nicht. Dort wäre ich dann wohl drauf gekommen, dass es doch weniger ist als der Nominalwert aber gut. Ich dann: „Danke, ich tausche dennoch bei Ihnen.“

5 Minuten später bin ich dann dort mit dem ersten Bargeld raus spaziert. Ohne Identitätsnachweis, mit Beleg und ohne Check des Herrn, was das genau für 500 Schillingmünzen sind. So weit, so gut.
Leider hatte der Münzhändler neben der OENB geschlossen – somit ging es direkt weiter.
Erfahrung Nr. 2: ÖGUSSA

Die Geschäftsstelle von ÖGUSSA kannte ich schon von aussen, bin da am Weg Richtung Hauptbahnhof von der Pädagogischen Hochschule aus schon ein paar mal vorbeigelaufen. War bisher immer eher unscheinbar.
Nicht so dieses Mal, man merkte hier sofort, dass etwas auf der Welt aus den Fugen ist. 😅
Mit einer Warteschlange, in der ich 20 Minuten verweilen sollte hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Aber gut, neben der gefühlten Untergangsstimmung und Mitstreitern aus allen Schichten der Gesellschaft war der ein oder andere Austausch zum Zeitvertreib ganz nett. 👍🏻
So habe ich erfahren, dass ÖGUSSA scheinbar weniger Angebot als Nachfrage hat. Einem Pensionisten hat der Schaltermitarbeiter am Vormittag die noch offenen Bestellungen, der aber schon bezahlten Goldbarren gezeigt, ein ziemlicher Haufen an Papier scheinbar. „Der eine (offenbar Trump) hat halt auf der Welt mehr zu sagen als der andere.“ war das Kommentar des nächsten, was wohl die Rechtfertigung für die Schlange sein sollte. 😜 Die dritte erzählte von ihrem alten Silberschmuck, den sie im Zentrum verkaufen wollte und der Händler dort meinte zu ihr, sie müsse das in Ruhe begutachten lassen und die nächsten drei Wochen ginge nichts – solle sie doch besser zu ÖGUSSA laufen, die machen das am selben Tag. 😅 Mein letzter Gesprächspartner in diesem vermeintlichen „Prepper-Umfeld“ berichtete davon, dass er heute schon zum zweiten Mal da sei, zu Weihnachten wollte er auf fallende Kurse warten, nun sei alles höher – vielleicht kaufe er heute nochmals nach. Wofür sonst steht man sonst hier in der Schlange war mein Gedanke dazu, aber gut. 🙄😁 Witzig auch, dass der Laden direkt neben einer Bushaltestelle ist und einen sehr viele Leute verdutzt ansehen, warum man im Weg steht.
Dann endlich rein zum Schalter und nach kurzer Sondierung mit der Frau am Schalter die erste Überraschung: „Ich bräuchte einen Ausweis bitte. Führerschein, Pass oder Personalausweis geht auch.“ Okay, ich habe jetzt keinen Goldbarren um mehr als 10k auf den Tresen gelegt, aber gut. „Darf ich auch noch eine Postleitzahl wissen?“ Warum auch nicht, Full KYC scheint hier an der Tagesordnung zu sein. 😂
Dann wurden alle Münzen nach Art gewogen und in das System getippt. Die Grammanzeige bekam ich nicht zu sehen, dafür dann den finalen Ankaufspreis – war davon positiv überrascht und sagte deshalb nicht nein. 😉

Zweite Überraschung neben der Ausweispflicht: Das Bruchsilber wurde nicht als eines gewertet sondern von allen Münzen der Feinsilbergehalt ausbezahlt. Sehr fair und auch mehr als mir Chat-GPT versprochen hat. 😁 Vermutlich wäre es an dieser Stelle (finanziell) sinnvoll gewesen auch noch die 640er Münzen ins Spiel zu bringen, was jedoch meine Erfahrung beschränkt hätte und wogegen ich mich dann deshalb entschieden habe. Also raus aus dem Geschäft, vorbei an der nicht kürzer werdenden Schlange und auf den Weg zum dritten und letzten Geschäft.
Erfahrung Nr. 3: Simply Way

Von der Lage her sehr ruhig und ohne Schlange vor der Türe dann schließlich dort angekommen. Definitiv unauffälliger als im Zentrum in der Schlange neben der Bushaltestelle. Diskretion +10 Punkte. 😅
An der Türe mit Aufschrift „leider geschlossen“ musste ich läuten, zum Glück war doch jemand da. Erste Frage: „Ich habe gleich einen Termin, haben sie viel? Sonst müssen wir einen Termin ausmachen.“ Zum Glück hatte ich nur ein paar Münzen – „ja, das geht sich schnell aus.“
Kleiner Schreibtisch mit Notebook und Taschenrechner, netter Herr der zu zählen beginnt.
Ich hatte deren „Ankaufsdokument“ mit tagesaktuellen Preisen (offensichtlich werden diese 2x täglich aktualisiert) dabei, sollte so passen. Tat es nicht, eine 50 ATS Münze hatte ich mehr als ausgewiesen, der Verkäufer schrieb dann den Preis darunter. „812 € wären das dann.“ Zwei Minuten später war ich wieder im Auto, mit dem Geld aber ohne Beleg. 😂

Ein ziemlicher Kontrast zu der KYC-Show bei ÖGUSSA. Los gefahren bin ich dann mit dem Gedanken im Kopf, ob der das jetzt „schwarz“ kassiert – mir ja eigentlich egal aber dennoch spannend wie unterschiedlich so drei Termine innerhalb von 2h in Innsbruck sein können. 🙈
Fazit
Anfangs hatte ich mir das ganze nicht so umfangreich vorgestellt als es dann doch in der Praxis ist. Vom Spotpreis über verschiedene Händerabschläge bis hin zu vollkommen unterschiedlichen Modalitäten vor Ort. Mein Hintergrundwissen hat mir indirekt doch etwas geholfen, aber in allen Läden kam ich mir auch ohne „Wissen“ zu präsentieren nicht abgezockt vor. Was transparent dargelegt wurde, wurde finanziell gesehen gehalten. Am Ende glaube ich ist es mit Gold großteils etwas einfacher, hier ist der Feingehalt weniger kompliziert – zumindest bei den gängigen Anlagemünzen. Silber anzukaufen ist natürlich schon alleine wegen der Umsatzsteuer weniger attraktiv als Gold, aber auch dort habe ich was Ankaufspreise angeht seeeehr viele Unterschiede gefunden, wenngleich der Abschlag/Aufschlag dort in einem wesentlich engeren Korridor war. Praktische Erfahrung habe ich da aber keine – hier ist HODL’n meine Devise. 😉
Soviel zu dieser FinanzBilanz, tagesaktuell und mal mit mehr Geschichten, die das Leben schreibt. 😜

Nict schlecht Herr Bares für Rares.